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 GEDICHTE: mal was schönes für dieses Forum :o)      Verfasst am: 24.04.2005, 22:51       Nach oben   


Weiterleitung zum Thema Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised)

Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 03.03.2005 19:02:01
Wir gehen am Meer
Wir gehen am Meer im tiefen Sand,
Die Schritte schwer und Hand in Hand.
Das Meer geht ungeheuer mit,
Wir werden kleiner mit jedem Schritt.
Wir werden endlich winzig klein
Und treten in eine Muschel ein.
Hier wollen wir tief wie Perlen ruhn,
Und werden stets schöner, wie die Perlen tun

Max Dauthendey 1867-1918


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 04.03.2005 09:36:03
Die zwei Wurzeln

Zwei Tannenwurzeln groß und alt
unterhalten sich im Wald.

Was droben in den Wipfeln rauscht,
das wird hier unten ausgetauscht.

Ein altes Eichhorn sitzt dabei
und strickt wohl Strümpfe für die zwei.

Die eine sagt knig, die andere sagt knag.
Das ist genug für einen Tag.

Christian Morgenstern 1871 - 1914

www.kunst-poesie.de


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: s´Pedersche Datum: 04.03.2005 12:15:37
Und noch´n Gedicht....

Kennst du den großen Elefanten,
du weißt, den Onkel von den Tanten,
den ganz ganz großen, weißt du, der -
der immer so macht, hin und her.

Der läßt dich nämlich vielmals grüßen,
er hat mit seinen eignen Füßen
hineingeschrieben in den Sand:
Grüß mir Sophiechen Windelband!

Du darfst mir ja nicht drüber lachen.
Wenn Elefanten so was machen,
so ist dies selten, meiner Seel!
Weit seltner als bei dem Kamel.


Auch von Morgenstern


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 04.03.2005 16:06:15
Es ragt ins Meer der Runenstein

Es ragt ins Meer der Runenstein,
Da sitz ich mit meinen Träumen.
Es pfeift der Wind, die Möwen schrein,
Die Wellen, die wandern und schäumen.

Ich habe geliebt manch schönes Kind
Und manchen guten Gesellen -
Wo sind sie hin? Es pfeift der Wind,
Es schäumen und wandern die Wellen.

Heinrich Heine 1797-1856


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: Spätzlekenig Datum: 04.03.2005 17:02:37
GLÜCK

Um einen Trunk bat mich zur Nacht mein Kind
Mein wilder Kamerad in Spiel und Scherzen
Sein Stimmchen bettelte so warm und lind-
und reiche Liebe strömte mir vom Herzen

Es schaute groß und still mich an beim Trinken
Und gab verschwiegnen Dank, indem es nahm
Und schien in meinem Anblick zu versinken,
als tränk es mit, was mir von Herzen kam...

(Otto Ernst, 1862- 1926)


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: macallan Datum: 04.03.2005 17:39:28
Wenn Du Dich geärgert hast,
am besten Du 's in Worte fasst,
schreib' alles schnell ins FORUM 'rein,
im FORUM schimpfst Du nicht allein.

Die eine stör'n die Rentner sehr,
die sie behindern im Verkehr,
die and're wär gern Königin,
nur weiß sie nicht den Weg dorthin.
Vielen ist der Strom zu teuer,
die Abrechnung nicht ganz geheuer,
und wird beim Fasching - ungeniert,
in die Gärten uriniert,
weil die Stadt Toiletten schließt,
ein jeder es im FORUM liest.

Brennt in der Strasse denn kein Licht ?
Mögen wir Graffiti nicht ?
Wird das Schwimmbad neu gebaut ?
War'n die Feiern denn zu laut ?
Fehlt er uns, der grüne Pfeil ?
Kommen Bäume unter 's Beil ?
Wofür sind die Garden da ?
Gab 's um Bush zuviel tra ra ?
Hast Du Fragen - nicht verzagen,
kannst es doch dem FORUM sagen.

Schupos, Hipos, Politessen,
täglich sind die so vermessen,
ihre Tickets zu verteilen,
wo soll denn der Parker 'weilen ?
Radargeräte - gar nicht gut,
manch' Autofahrer kriegt die Wut.
Auf der Post gibt 's lange Schlangen,
muss man um Kater Lukas bangen ?
Viel Themen und viel Phantasie,
im FORUM diskutiert man sie.


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 04.03.2005 19:08:11
Es rollen die Räder

Es rollen Räder tagaus, tagein,
Und die Fenster singen ins Zimmer herein.

Die Scheiben sehen vertieft hinaus,
Als spähen sie nach den Rädern aus.

Sie grübeln über der Räder Sinn,
Und es singen die Fenster ganz sacht vor sich hin.

Wie Verliebte, die nicht mehr bei sich sind,
So summen die Scheiben hinaus in den Wind.

Und draußen rollen tagaus, tagein
Die Räder über das Pflastergestein.

Und jede Scheibe bewegt mitklingt,
Als ob im Rhythmus ihr Glasherz schwingt.

Max Dauthendey 1867-1918


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 05.03.2005 13:53:04
Das Fräulein stand am Meere

Das Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang,
Es rührte sie so sehre
Der Sonnenuntergang.

Mein Fräulein! sein Sie munter,
Das ist ein altes Stück;
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten zurück.

Heinrich Heine 1797-1856


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: Spätzlekenig Datum: 06.03.2005 15:43:34
Nis Randers

Krachen und Heulen und berstende Nacht
Dunkel und Flammen in rasender Nacht
Ein Schrei durch die Brandung

Und brennt der Himmel, so sieht man´s gut
Ein Wrack auf der Sandbank! Noch wiegt es die Flut;
Gleich holt sich´s der Abgrund.

Nis Randers lugt- und ohne Hast
Spricht er: "Da hängt noch ein Mann im Mast;
wir müssen ihn holen."

Da faßt ihn die Mutter: "Du steigst mir nicht ein:
Dich will ich behalten, Du bliebst mir allein!
Ich will´s, Deine Mutter!

Dein Vater ging unter und Momme, mein Sohn;
Drei Jahre verschollen ist Uwe schon,
mein Uwe, mein Uwe!"

Nis tritt auf die Brücke, die Mutter ihm nach.
Er weist nach dem Wrack und spricht gemach:
"Und seine Mutter?"

Nun spring er ins Boot, und mit ihm noch sechs:
Hohes, hartes Friesengewächs;
Schon sausen die Ruder.

Boot oben, Boot unten, ein Höllentanz
Nun muß es zerschmettern...! Nein: es blieb ganz!...
Wie lange? Wie lange?

Mit feurigen Geißeln peitscht das Meer
die menschenfressenden Rosse daher-
Sie schnauben und schäumen

Die hechelnde Hast sie zusammenzwingt!
Eins auf den Nacken des andern springt.
Mit stampfenden Hufen!

Drei Wetter zusammen! Nun brennt die Welt!
Was da? -Ein Boot, das landwärts hält-
Sie sind es! Sie kommen!

Und Auge und Ohr ins Dunkel gespannt...
Still!- Ruft da nicht einer?- Er schreit´s durch die Hand:
"Sagt Mutter, ´s ist Uwe..."

(Otto Ernst, 1862- 1926)


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 06.03.2005 16:09:50
Nachtfalter

Nachtfalter kommen verloren
Wie Gedanken aus dem Dunkel geboren,
Sie müssen dem Tag aus dem Wege gehen
Und kommen zum Fenster um hellzusehen.
Und in die Nachstille versunken,
Flattern sie zuckend und trunken,
Sie haben nie Sonne, nie Honig genossen,
Die Blumen alle sind ihnen verschlossen.
Nur wo bei Lampen die Sehnsucht wacht,
Verliebte sich grämen in schlafloser Nacht
Da stürzen sie in das Licht, sich zu wärmen,
Das Licht, das Tränen bescheint und Härmen:
Die Falter der Nacht, die Sonne nie kennen,
Sie müssen an den Lampen der Sehnsucht verbrennen.

Max Dauthendey 1867-1918


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: Inge Datum: 06.03.2005 23:37:03
Ich wünsche Dir...

Ich wünsche Dir nicht alle möglichen Gaben,
ich wünsche Dir nur, was die meisten nicht haben.

Ich wünsche Dir Zeit, Dich zu freuen und zu lachen,
und die Kraft, etwas aus dieser Zeit zu machen.

Ich wünsche Dir Zeit für Dein Tun und Dein Denken,
nicht nur für Dich selbst, sondern auch zum Verschenken.

Ich wünsche Dir Zeit, nicht zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufriedensein können.

Ich wünsche Dir Zeit, nicht nur zum Vertreiben,
ich wünsche, sie möge Dir übrigbleiben,
als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertrauen,
anstatt immer nur auf die Uhr zu schauen.

Ich wünsche Dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu wachsen, um zu reifen.
Ich wünsche Dir Zeit, immer neu zu hoffen und zu lieben,
ich wünsche Dir Zeit zum Gedankenfliegen.

Ich wünsche Dir Zeit, zu Dir selbst zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.

Ich wünsche Dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche Dir, Zeit zu haben zum LEBEN.


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: B+A Datum: 07.03.2005 00:18:10
Danke...
Von wem is´n das schöne Gedicht ?


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: Inge Datum: 07.03.2005 00:22:07
@ B+A: Ich weiß nicht, von wem das Gedicht ist (sonst hätte ich es dazu geschrieben). Ich habe es ursprünglich einmal von meiner Schwester erhalten (ohne weiteren Hinweis).


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 07.03.2005 12:34:52
Überlaß es der Zeit


Erscheint Dir etwas unerhört,
bist Du tiefsten Herzens empört,
bäume nicht auf, versuch's nicht mit Streit,
berühr' es nicht, überlaß es der Zeit.
Am ersten Tag wirst Du feige Dich schelten,
am zweiten läßt Du Dein Schweigen schon gelten,
am dritten hast Du's überwunden;
alles ist wichtig nur auf Stunden,
Ärger ist Zehrer und Lebensvergifter,
Zeit ist Balsam und Friedensstifter.

Theodor Fontane


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: s´Pedersche Datum: 07.03.2005 14:51:58
Abendgebet einer erkälteten Negerin


Ich suche Sternengefunkel.
Sonne brennt mich dunkel.
Sonne drohet mit Stich.
Warum brennt mich die Sonne im Zorn?
Warum brennt sie gerade mich?
Warum nicht Korn?
Ich folge weißen Mannes Spur.
Der Mann war weiß und roch so gut.
Mir ist in meiner Muschelschnur
So neglige zu Mut.
Kam in mein Wigwam
Weit über das Meer,
Seit er zurückschwamm,
Das Wigwam
Blieb leer.
Drüben am Walde
Kängt ein Guruh – –
Warte nur balde
Kängurst auch du.

H.-J. Ringelnatz


Betreff : März Autor: Wölfchen Datum: 07.03.2005 17:12:37
März

Winter macht Inventur,
Will sich verändern.
Schrieb auf ein Angebot
aus anderen Ländern.
Mustert im Fortgehen noch
Weiden und Erlen.

Kätzchen blühn silbergrau,
Schimmern wie Perlen.
Schneeglöckchen ahnen nun,
was sie bedeuten.
Wenn du die Augen schließt,
hörst du sie läuten.

Erich Kästner


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 07.03.2005 20:02:41
An meine Taschenuhr

Du schlimme Uhr, du gehst mir viel zu schnell;
und doch - dich schauend, sah ich selber hell.
Unschuldig Räderwerk, was schalt ich dich?
Ich geh zu langsam, ach zu langsam - ich.

Christian Morgenstern

http://www.kunst-poesie.de


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: Firenze Datum: 08.03.2005 10:28:51
Wie groß ist dein Leben?
Wie tief?
Was kostet es dich?
Bis wann zahlst du?
Wie viele Türen hat es?
Wie oft hast du
ein neues begonnen?
Warst du schon einmal
gezwungen
um es zu laufen?
Wenn ja
bist du rundherum gelaufen
im Kreis
oder hast du Einbuchtungen
mitgelaufen?
Was dachtest du dir dabei?
Woran erkanntest du
dass du ganz herum warst?
Bist du mehrmals gelaufen?
War das dritte Mal
wie das zweite?
Würdest du lieber
die Strecke im Wagen fahren?
Oder gefahren werden?
In welcher Richtung?
Von wem?

Erich Fried 1921-1988


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 08.03.2005 15:39:11
FRÜHLINGSGRUSS

Es steht ein Berg in Feuer,
In feurigem Morgenbrand,
Und auf des Berges Spitze
Ein Tannbaum überm Land.

Und auf dem höchsten Wipfel
Steh ich und schau vom Baum,
O Welt, du schöne Welt, du,
Man sieht dich vor Blüten kaum!

Joseph von Eichendorff


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 10.03.2005 10:57:03
Schmetterling...

Sie war ein Blümlein hübsch und fein,
Hell aufgeblüht im Sonnenschein.

Er war ein junger Schmetterling,
Der selig an der Blume hing.

Oft kam ein Bienlein mit Gebrumm
Und nascht und säuselt da herum.

Oft kroch ein Käfer kribbelkrab
Am hübschen Blümlein auf und ab.

Ach Gott, wie das dem Schmetterling
So schmerzlich durch die Seele ging.

Doch was am meisten ihn entsetzt,
Das Allerschlimmste kam zuletzt.

Ein alter Esel fraß die ganze
Von ihm so heißgeliebte Pflanze.

Wilhelm Busch, 1883


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 12.03.2005 11:06:10
Der Bauer und sein Kind

Der Bauer steht vor seinem Feld
und zieht die Stirne kraus in Falten:
"Ich hab' den Acker wohl bestellt
auf gute Aussaat streng gehalten,
nun sieh' mir eins das Unkraut an,
das hat der BÖSE FEIND getan!"

Da kommt sein Knabe hochbeglückt
mit bunten Blumen reich beladen,
im Felde hat er sie gepflückt,
Kornblumen sind es, Mohn und Raden.
Er jauchzt:"Sieh' Vater, nur die Pracht,
die hat der liebe GOTT gemacht!

Julius Sturm


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: B+A Datum: 12.03.2005 17:37:48
Ich würde ja auch gerne ein Gedicht beitragen (...aber obwohl ich jetzt schon ewig gesucht habe, finde ich kein zu mir passendes )
Sad
Bisher haben mir die Gedichte "über die Zeit" und das Gedicht "vom Schmetterling und der Pflanze" ganz gut gefallen (...mal sehen, ob ich noch ´was finde )


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: B+A Datum: 12.03.2005 18:13:50
Hab ´mal kurz gegoogelt :
Anders sein und anders scheinen,
anders reden, anders meinen,
alles loben, alles tragen,
allen heucheln, stets behagen,
allem Winde Segel geben,
Bös- und Guten dienstbar leben,
alles tun und alles tichten
bloss auf eignen Nutzen richten:
wer sich dessen will befleissen,
kann politisch heuer heissen.
von:
Friedrich Freiherr von Logau
geboren 1604 in Niederschlesien
gestorben 1655 in Liegnitz

Zufällig gefunden auf der schönen Seite der Stadt Burgdorf (Schweiz)
http://www.burgdorfernet.ch/kultur.htm


Was er für seinen Schwarm erhoffte einst
ihm allein wurd es zuteil
er lernte wahrhaft fliegen allerfeinst
und bereute nie den Preis, den er dafür gezahlt

Sinngemäss aus :
Möwe Jonathan
passendes Foto :
http://db5.fotocommunity.de/67/2685167.jpg


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 12.03.2005 22:58:41
Die Zeit ein stetes heute

Was heute gestern heisst / das hieß man gestern heute.
Was heute morgen ist / wird morgen heute sein.
Und dennoch sorget ihr für morgen, Blinde Leute!
Weils morgen heut' auch ist / so sorgt für heut' allein.

Nicolaus Ludwig Esmarch


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: B+A Datum: 13.03.2005 16:43:30
Gerade bei einem Spaziergang in der Darmstädter Bachaue unter zwei Bäumen entdeckt:

Abendlied
Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar;
Der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget
Der weisse Nebel wunderbar.
Wie ist die Welt so stille
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen? -
Er ist nur halb zu sehen
Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.

Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder
Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste
Und kommen weiter von dem Ziel.
....
Matthias Claudius (1740 - 1815).


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 14.03.2005 23:22:23
Wir fuhren allein..

Wir fuhren allein im dunkeln
Postwagen die ganze Nacht;
Wir ruhten einander am Herzen,
Wir haben gescherzt und gelacht.

Doch als es morgens tagte,
Mein Kind, wie staunten wir!
Denn zwischen uns sass Amor,
Der blinde Passagier.

Heinrich Heine


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 15.03.2005 11:18:34
Der Schnupfen

Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse,
auf dass er sich ein Opfer fasse

und stürzt alsbald mit großem Grimm
auf einen Menschen namens Schrimm.

Paul Schrimm erwidert prompt: "Pitschü!"
und hat ihn drauf bis Montag früh.

Christian Morgenstern


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 16.03.2005 10:45:41
Zeit

So wandelt sie, im ewig gleichen Kreise,
Die Zeit nach ihrer alten Weise,
Auf ihrem Wege taub und blind,
Das unbefangne Menschenkind
Erwartet stets vom nächsten Augenblick
Ein unverhofftes seltsam neues Glück.
Die Sonne geht und kehret wieder,
Kommt Mond und sinkt die Nacht hernieder,
Die Stunden die Wochen abwärts leiten,
Die Wochen bringen die Jahreszeiten.
Von aussen nichts sich je erneut,
In Dir trägst du die wechselnde Zeit,
In Dir nur Glück und Begebenheit.

Ludwig Tieck


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 16.03.2005 20:17:49
Das menschliche Alter

Ein Kind weiß nichts von sich, ein Knabe denket nicht,
Ein Jüngling wünschet stets, ein Mann hat immer Pflicht,
Ein Alter hat Verdruß, ein Greis wird wieder Kind:
Schau, lieber Mensch, was das für Herrlichkeiten sind.

Friedrich von Logau


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 17.03.2005 22:03:02
Frühlingsnacht

Übern Garten durch die Lüfte
Hört ich Wandervögel ziehn,
Das bedeutet Frühlingsdüfte,
Unten fängts schon an zu blühn.

Jauchzen möcht ich, möchte wissen,
Ist mirs doch, als könnts nicht sein!
Alte Wunder wieder scheinen
Mit dem Mondenglanz herein.

Und der Mond, die Sterne sagens,
Und in Träumen rauschts der Hain,
Und die Nachtigallen schlagens:
Sie ist Deine, sie ist Dein!

Josef von Eichendorff


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: B+A Datum: 18.03.2005 04:19:29
Recht hat er


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: Inge Datum: 18.03.2005 20:37:41
Das mir der Hund das Liebste ist,
sagst Du oh Mensch sei Sünde,
doch der Hund bleibt mir im Sturme treu,
der Mensch nicht mal im Winde.

(Arthur Schopenhauer, 1788-1860, deutscher Philosoph)


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: B+A Datum: 19.03.2005 02:22:42
Smile
...hab´s Akka vorgelesen (...die hat es aber -glaube ich- nicht verstanden )
Sad


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 20.03.2005 11:42:28
Wegewarte

Es steht eine Blume,
Wo der Wind weht den Staub,
Blau ist ihre Blüte,
Aber grau ist ihr Laub.
Ich stand an dem Wege,
Hielt auf meine Hand,
Du hast Deine Augen
Von mir abgewandt.

Jetzt stehst du am Wege,
Da wehet der Wind,
Deine Augen, die blauen,
Vom Staub sind sie blind.

Da stehst du und wartest,
Daß ich komme daher,
Wegewarte, Wegewarte,
Du blühst ja nicht mehr.

Hermann Loens


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 22.03.2005 11:38:16
Waldgespräch

"Es ist schon spät, es wird schon kalt,
Was reitst du einsam durch den Wald?
Der Wald ist lang, du bist allein,
Du schöne Braut! Ich führ dich heim!"

"Groß ist der Männer Trug und List,
Vor Schmerz mein Herz gebrochen ist,
Wohl irrt das Waldhorn her und hin,
O flieh! Du weißt nicht, wer ich bin."

So reich geschmückt ist Roß und Weib,
So wunderschön der junge Leib,
"Jetzt kenn ich dich - Gott steh mir bei!
Du bist die Hexe Lorelei."

"Du kennst mich wohl - von hohem Stein
Schaut still mein Schloß tief in den Rhein.
Es ist schon spät, es wird schon kalt,
Kommst nimmermehr aus diesem Wald!"

Josef von Eichendorff


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 23.03.2005 18:19:53
Belsazar

Die Mitternacht zog näher schon;
In stummer Ruh lag Babylon.

Nur oben in des Königs Schloss,
Da flackert's, da lärmt des Königs Tross.

Dort oben in dem Königssaal
Belsazar hielt sein Königsmahl.

Die Knechte sassen in schimmernden Reihn
Und leerten die Becher mit funkelndem Wein.

Es klirrten die Becher, es jauchzten die Knecht;
So klang es dem störrigen Könige recht.

Des Königs Wangen leuchten Glut;
Im Wein erwuchs ihm kecker Mut.

Und blindlings reisst der Mut ihn fort;
Und er lästert die Gottheit mit sündigem Wort.

Und er brüstet sich frech und lästert wild;
Die Knechtenschar ihm Beifall brüllt.

Der König rief mit stolzem Blick;
Der Diener eilt und kehrt zurück.

Er trug viel gülden Gerät auf dem Haupt;
Das war aus dem Tempel Jehovahs geraubt.

Und der König ergriff mit frevler Hand
Einen heiligen Becher, gefüllt bis am Rand.

Und er leert ihn hastig bis auf den Grund
Und ruft laut mit schäumendem Mund:

"Jehovah! dir künd ich auf ewig Hohn -
Ich bin der König von Babylon!"

Doch kaum das grause Wort verklang,
Dem König ward's heimlich im Busen bang.

Das gellende Lachen verstummte zumal;
Es wurde leichenstill im Saal.

Und sieh! und sieh! an weisser Wand
Das kam's hervor, wie Menschenhand;

Und schrieb, und schrieb an weisser Wand
Buchstaben von Feuer und schrieb und schwand.

Der König stieren Blicks da sass,
Mit schlotternden Knien und totenblass.

Die Knechtschar sass kalt durchgraut,
Und sass gar still, gab keinen Laut.

Die Magier kamen, doch keiner verstand
Zu deuten die Flammenschrift an der Wand.

Belsazar ward aber in selbiger Nacht
Von seinen Knechten umgebracht.

Heinrich Heine


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: Traci Datum: 24.03.2005 07:40:01
Frühling lässt sein blaues Band
wieder flattern durch die Lüfte
süße, wohl bekannte Düfte
streifen ahnungsvoll durchs Land.
Veilchen träumen schon,
wollen balde kommen
- Horch: von fern ein leisser Harfenton!
Frühling ja du bists!
Dich hab ich vernommen

-Eduard Möricke -


Betreff : Und noch´n Gedicht, aber nicht so schön Autor: s´Pedersche Datum: 24.03.2005 14:56:25
Die traurige Kroenung

Es war ein Koenig Milesint,
Von dem will ich euch sagen:
Der meuchelte sein Bruderskind,
Wollte selbst die Krone tragen.
Die Kroenung ward mit Prangen
Auf Liffey-Schloss begangen.
O Irland! Irland! warest du so blind?

Der Koenig sitzt um Mitternacht
Im leeren Marmorsaale,
Sieht irr in all die neue Pracht,
Wie trunken von dem Mahle;
Er spricht zu seinem Sohne:
"Noch einmal bring die Krone!
Doch schau, wer hat die Pforten aufgemacht?"

Da kommt ein seltsam Totenspiel,
Ein Zug mit leisen Tritten,
Vermummte Gaeste gross und viel,
Eine-Krone schwankt in Mitten;
Es draengt sich durch die Pforte
Mit Fluestern ohne Worte;
Dem Koenige, dem wird so geisterschwuel.

Und aus der schwarzen Menge blickt
Ein Kind mit frischer Wunde;
Es laechelt sterbensweh und nickt,
Es macht im Saal die Runde,
Es trippelt zu dem Throne,
Es reicher eine Krone
Dem Koenige, des Herze tief erschrickt.

Darauf der Zug von dannen strich,
Von Morgenluft berauschet,
Die Kerzen flackern wunderlich,
Der Mond am Fenster lauschet;
Der Sohn mit Angst und Schweigen
Zum Vater raet sich neigen, -
Er neiget ueber eine Leiche sich.


Eduard Mörike 1828
Auch vertont von Paul Hindemith


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 24.03.2005 19:45:07
Gedichte egal in welcher Form sind immer etwas schönes Surprised)man muss sie nur verstehen...


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 26.03.2005 13:24:27
Has, Has, Osterhas,
Wir möchten nicht mehr warten!
Der Krokus und das Tausendschön,
Vergißmeinnicht und Tulpe stehn
Schon lang in unserm Garten.
Has, Has, Osterhas
Mit deinen bunten Eiern!
Der Star lugt aus dem Kasten aus,
Blühkätzchen sitzen um sein Haus;
Wann kommst du Frühling feiern?

Has, Has, Osterhas,
Ich wünsche mir das beste!
Ein großes Ei, ein kleines Ei
Und ein lustiges Dideldumdei,
Alles in einem Neste!

Dehmel, Paula (1862-1918)


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 31.03.2005 13:42:21
Ich geh auf staub'ger Straße

Ich geh auf staub'ger Straße
Gelockt von Waldesgrün,
Da seh' ich durch die Zweige
Die Abendsonne glühn.

Es öffnet sich zur Seite
Im duft'gen Wald ein Pfad,
So grün, als ob ihn nimmer
Des Menschen Fuß betrat.

Da flüstern grüne Halme
Im Windeshauche lind,
Da winken blaue Glocken,
Die blühn, wo Schätze sind.

Wie hat der stille Anblick
So seltsam mich gerührt -
Ob das der Pfad wohl wäre,
Der hin zum Glücke führt? -

Da kommt desselben Weges
Ein müder Wandrer her -
Im Auge glüht die Sehnsucht,
Der Gang ist matt und schwer.

Sein Blick strebt in die Ferne
Er schauet nicht zurück -
So suchen wir denn Beide
Vergebens wohl das Glück.

Auguste Kurs
(1815-1892)



Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) zum 1. April Autor: s´Pedersche Datum: 01.04.2005 11:05:32
So und hier noch´n Gedicht passend zum heutigen Tag,
wird vielleicht den Spetzlekenig freuen.

Drent bei der Herrschaft auf´m G´schloß
Da hab´n s´a Bräuhaus baut wie groß!
Dös Bräuhaus sollt jetzt eing´weicht wer´n,
Und da san eing´lad´n alle Herrn.
Da gibt´s an extrig´s Bier, wohl g´wiß
Dös beste, dös no braut wor´n is!
Koa selles Bier gibt´s ninderscht net,
Denn von dem Bier wird üb´rall g´redt.
Und auf den Tag, da freu´n si´viel,
A Sunta´ ist, der erst´ April.

"Ja", sagt der Schloßherr, "wenn i´s sag,
Dös ist halt do´ der beste Tag,
Denn wenn am End mei Bier recht schlecht is,
Es kunnt ja sein, daß´s niemand recht is,
Na´ sag i bloß: Was wollts von mir?
Was glaubts denn von dem guaten Bier?
Ees merkt´s ja gar nit, was i will,
I will enk - schicken in April!"

Is´s guat: no ja, na´ geht´s a so;
Is´s schlecht: na´ is an Ausred do.

Karl Stieler (1842-1885)


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 05.04.2005 01:00:34
Die Worte in den Wind

Es findet manches gute Wort
Wohl nicht die gute Statt,
Doch glaube Keiner, daß er dann
Umsonst gesprochen hat.

Die Worte, die in's Menschenherz
Nicht aufgenommen sind,
Man nennt sie wohl mit Fug und Recht
Nur Worte in den Wind.

Doch sind sie nicht verloren, nein,
Es trägt der Wind sie fort,
Auf seinen Flügeln schweben sie
Gar leicht von Ort zu Ort.

Sie suchen dann in Nord und Süd,
Und auf und niederwärts,
Den Weg in eines Menschen Ohr,
In eines Menschen Herz.

Wenn beide offen und bereit,
Und wenn wir einsam sind,
Dann finden sie die rechte Statt,
Die Worte in den Wind.

Und so vernehmen wir denn oft,
Was uns kein Mund gesagt,
So führt uns zu des Windes Hauch,
Wonach wir lang' gefragt.

Auguste Kurs


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: " Weidengässler" Datum: 05.04.2005 12:21:15
Der Wind steht schief,
die Luft aus Eis,
die Möwen kreischen " Sturm ",
Elemente duellieren sich,
du hälst mich auf Kurs

Hab keine Angst,
vor´m untergehn,
Gischt schlägt ins´ Gesicht,
ich kämpf mich durch
zum Horizont
denn dort treff ich dich.

Der Himmel heult,
die See geht hoch,
Wellen wehren dich,
stürzen mich von Tal zu Tal,
die Gewalten gegen mich.

Bist du Ozean
weit entfernt,
Regen peitscht von vorn,
und ist´s auch sinnlos
soll´s nicht sein
ich geb dich nie verlor´n.

Geleite mich heim
rauh Endlosigkeit,
bist so lange fort,
mach die Feuer an,
damit ich dich finden kann,
steig zu mir an Bord,
übernehm die Wacht,
führ mich durch die Nacht,
rette mich durch den Sturm,
fass mich ganz fest an,
dass ich mich halten kann,
bring mich zu Ende,
lass mich nicht mehr los

( Herbert Grönemeyer ? )


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 06.04.2005 12:37:35
ein sehr schönes gedicht Surprised)


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 06.04.2005 12:40:55
Sylt-Rantum

Weil ich nur dieses Donnern wieder höre
dies Mahlen einer ungeheuren Mühle,
weil ich nur diesen Flugsand wieder fühle
und dieser Möwen Ruhe wieder störe!

Du abendliche Klarheit dort im Westen,
sei mir ein Bild von naher Tage Glück.
Still leg ich mich ins Dünengras zurück.
Nicht wie ich will, - wie Es will ist's am besten

Christian Morgenstern


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: " Weidengässler" Datum: 06.04.2005 13:57:25
Eines der schönsten Gedichte der Welt; für alles, (denn alles kann ein Schmetterling sein) und ganz besonders für das Leben:

Irrtümliches

Irrtümlicherweise
bemerkte ich nicht:
du warst ein Schmetterling,
der lebensfroh leise
die Mauern zerbricht,
sich nicht abhalten läßt davon,
von Schönem zu Schönem
im Wechselflug zu eilen,
der Sonne, dem Leben,
dem Glauben zu frönen.

Irrtümlicherweise
versuchte ich,
deine leuchtenden Farben zu greifen,
dich in einer Glaskugel zu stellen ans Licht.
Ich konnte es noch nicht begreifen,
dass dadurch deine Schönheit erlischt,
der Glaube, die Sonne, das Leben.

Und der Samt an meinen Händen
wurde zur Säure an deinen Flügeln.

Irrtümlicherweise


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 07.04.2005 21:20:14
Wolken

Am nächtigen Himmel
Ein Drängen und Dehnen,
Wolkengewimmel
In hastigem Sehnen,

In lautloser Hast
- Von welchem Zug
Gebietend erfasst? -
Gleitet ihr Flug,

Es schwankt gigantisch
Im Mondesglanz
Auf meiner Seele
Ihr Schattentanz,

Wogende Bilder,
Kaum noch begonnen,
Wachsen sie wilder,
Sind sie zerronnen,

Ein loses Schweifen ...
Ein Halb-Verstehn ...
Ein Flüchtig-Ergreifen ...
Ein Weiterwehn ...

Ein lautloses Gleiten,
Ledig der Schwere,
Durch aller Weiten
Blauende Leere.

Hugo von Hofmannsthal


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 08.04.2005 12:34:52
Es is kaa Stadt uff der weite Welt, die so merr wie mei Frankfort gefällt,
un es will merr net in mein Kopp enei, wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!

Un wär´sch e Engel un Sonnekalb, e Fremder is immer von außerhalb!
Der beste Mensch is e Ärjerniß, wann er net aach von Frankfort is.

Was is des Ofebach for e Stadt! Die hawe´s ganz in der Näh gehat
un hawe´s verbaßt von Aabeginn, daß se net aach von Frankfort sin.

Die Bockemer hawe weiter geblickt, die hawe mit uns zusammegerickt;
die Bernemer awer warn aach net dumm, die gawe sogar e Milljon dadrum!

E Mädche von hie, deß en Fremde nimmt, deß hat en for was Höher´sch bestimmt;
es mecht en von Hie, un er waaß net wie, e Eigeplackter is immer von hie.

E Mädche von drauß, wann noch so fei, dut immer doch net von Frankfort sei!
Doch nimmt se en hiesige Berjerschsoh, so hat se aach noch die Ehr derrvo.

Des Berjerrecht in den letzte Jahrn is freilich ebbes billiger warn;
der Wohlstadt awwer erhält sich doch, dann alles anner is deuer noch.

So steuern merr frehlich uff´s Tornerfest! Bald komme se aa von Ost und West,
von Nord un Sid un iwwer die Meern: Gut Heil! als ob se von Frankfort wärn.

Un wann se bei uns sich amesiern, dann werrd se der Abschied doppelt rihrn
un gewe merr recht un stimme mit ei: wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!

Friedrich Stoltze (1816 - 1891)


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: tosel Datum: 18.04.2005 06:06:26

Frühlingserwachen

Aus des Winters trockner Erde
sprießt des Lebens neuer Keim.
Vor den Wagen spann die Pferde
jetzt im Frühlingssonnenschein.

Lasst uns wandern froh und munter
über Felder, Wiesen, Hain.
Unsere Welt, nun scheint sie bunter
und auch du wirst glücklich sein.

Wenn du hörst die Vöglein singen,
riechst den frischen Morgenduft
und Gefühle dich durchdringen,
dann liegt Frühling in der Luft.

Drum lässt des Frühlings schöne Zeit
viel Neues nun entstehen.
Nutz du den Tag und sei bereit,
das Leben zu verstehen.

(Karl Soncott)


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 19.04.2005 19:20:34
Süße Bettelei

Ein Bettler klopft' bei dir an
Um einen Kuß - du gabst ihn mir!
Ein Bettler kehrt' ich ein bei dir,
Und kam hervor ein reicher Mann,
So reich am höchsten Glück der Welt,
Daß alles Gold und alles Geld
Nicht solche Schätze kaufen kann!

Doch, ob des Augenblicks Genuß
Mein ganzes Leben auch verschönt,
Hat mich dein Geben so verwöhnt,
Daß ich stets weiter flehen muß
Um einen Kuß - und nimmer frei
Wirst du nun diese Bettelei
Um einen Kuß! um einen Kuß!

Friedrich Martin Bodenstedt


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 21.04.2005 22:21:44
UM MITTERNACHT

Gelassen stieg die Nacht ans Land,
Lehnt träumend an der Berge Wand;
Ihr Auge sieht die goldne Waage nun
Der Zeit in gleichen Schalen stille ruhn.
Und kecker rauschen die Quellen hervor,
Sie singen der Mutter, der Nacht, ins Ohr
Vom Tage,
Vom heute gewesenen Tage.

Das uralt alte Schlummerlied
Sie achtet's nicht, sie ist es müd';
Ihr klingt des Himmels Bläue süßer noch,
Der flücht' gen Stunden gleichgeschwungnes Joch.
Doch immer behalten die Quellen das Wort,
Es singen die Wasser im Schlafe noch fort
Vom Tage,
Vom heute gewesenen Tage.

Eduard Mörike


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: NobbyFfm Datum: 22.04.2005 22:42:04
Woher?

Tiefblau der Himmel,
hell glänzt der Firn,
da fällt ein Tropfen
auf meine Stirn.

Ich wend mich um,
und spähe, spähe ..
nicht Wolken, nicht Menschen
in meiner Nähe.

Du schöner Himmel,
von Glanz umwoben,
sag, weinen denn
die auch dort oben?

Maria Janitschek


Betreff : Gedichte: mal was schönes für dieses Forum Surprised) Autor: Waldbock Datum: 24.04.2005 23:51:06
Das erste mal (so richtig) im Forum
Das erste Mal Beitrag schreibend (etwas komfort-verwirrt)
..und gleich mal ein echtes WaldBock-Gedicht (vom Waldbock)
...für's Herzleidende Naturfreunde
( schönes Forum Surprised) )


Gefühle in Eis

Irgendwo im Stillen,
Verkehr und Mensch entzogen,
dort auf dem Felsen hoch droben,
wo Luft und Wasser klar und rein,
oder doch tief in den Wald hinein.
Wo ein Wildbach schüchtern murmelt -

Da sitz ich mit Dir, recht dicht beisammen ,
und spüre die Hitze des Feuers in mir.
Wir genießen die endlose Ferne, oder -
blicken in den Glanz der Sterne.
Vielleicht ist’s auch erst spät am Tag, und -
die Sonne uns mit roten Schleiern labt.

Eine Zeitlang bleibst Du stumm,
hörst nur der Stimme der Natur -
der Wind rauscht leise durch die Kronen,
die Vögel, sie fliegen, frei, ganz ohne Last.
Irgendwo - da bricht ein Ast,
das Großwild schleicht um uns herum.

Wilde Träume, die in uns'ren Köpfen reigen.
Irgendwann, bricht einer das stille Schweigen.
Während entrückten Auges, fest die fremde Welt uns bannt,
Illusionen, Träume und so manch’ alte Geschichten,
von der Natur um uns ins Leben gesandt,
von denen wir uns leis’ berichten.

Sanft mein’ ich Deine Hand zu spür’n
- doch, ist’s nicht nur der mächtige Moment,
in dem sich Wünsche und Gefühl
einfach zu stark zusammenrühr’n,
und die sich beim nächsten Augenschlag
schon wieder distanzier’n ? -


Obwohl’ s in mir ganz warm geworden -
Es wird kalt, wir müssen auf.
Die Sonne ist gesunken, der Sterne funkeln ist verblaßt,
bei Tagesanbruch scheint alles wieder so verloren.
Und im Winter sich, das murmeln hat in Eis gelegt
- den Fluß der Zeit auf Null gedreht.

Ich kann Dich nicht seh’n, Deinen Ruf nicht versteh’n.
Zu weit weg! Nichts von Dir in meiner Hand -
Und trotzdem - im Innern bist Du da,
denn dieser mächtige Moment, der so klar und wirklich war,
hält uns starr zusammen, wie das Eis das murmeln,
welches wir einst gemeinsam vernahmen.

Das Gefühl von damals, war es nie fort ? - Oder,
kommt es wieder, legt sich endlos in die Glieder. -

Und da die Zeit in sich verharrt, kein Sommer sich erhebt,
bleibt es Winter, wo das Eis allein unser Feuer belebt.


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