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 PRESSEBERICHTE      Verfasst am: 29.08.2005, 00:00       Nach oben   


Printausgabe der TZ vom 29.08.2005
In Moritaten muss Blut fließen
Von Astrid Walter

Oberursel. Aktive und passive Drehorgel-Fans kamen am Samstag in der Oberurseler Innenstadt auf ihre Kosten. Zwei kleine Mädchen und ein Junge knien in kurzen Hosen in der Oberurseler Fußgängerzone und starren hoch konzentriert auf die Drehorgel vor ihren Nasen. Doch nicht die aus dem Instrument strömenden Töne sind es, die sie faszinieren. Ihre Aufmerksamkeit gilt dem kleinen, batteriebetriebenen Stoffaffen, der auf der Orgel sitzt und mit dem Kopf nickt.

Wolfgang Schneider kommt das Verhalten der Kinder sicher bekannt vor, denn so wie sie heute, so war er früher von den Tieren auf den Orgelkästen fasziniert. «Als ich noch ein Kind war, hatte jeder Drehorgelspieler einen lebendigen Affen dabei, das hat mich immer angezogen. Die Musik war mir damals noch egal», sagt der Oberurseler. Inzwischen ist er Mitte 60 und lauscht am Samstag in der Kumeliusstraße gemeinsam mit seiner Frau begeistert den Liedern, die beim vierten Drehorgelfest in der gesamten Innenstadt erklingen. Insgesamt 14 Künstler sind mit ihren Instrumenten, aber inzwischen ohne lebendige Affen, für das Fest angereist, einer kam sogar extra aus Straßburg.

Ganz so weit hatten es Margarete und Gerhard Richter nicht. Die beiden Musiker aus Rheinau spielen schon zum vierten Mal beim Drehorgelfest und versammeln Zuhörer jeder Altersklasse um sich, wenn sie gemeinsam eine Moritat anstimmen. Der Name dieser Balladen stammt ursprünglich von dem Wort «Mordtat», und dementsprechend «muss darin immer Blut fließen», sagt Gerhard Richter. Vor 13 Jahren haben er und seine Frau mit dem Orgeln begonnen, seitdem reisen sie durch ganz Europa, um den Passanten das Bummeln durch die Einkaufsstraßen zu verschönern. Bis zu 15 000 Lieder hat das Paar in seinem Repertoire, jedes Jahr kommen neue hinzu. «Im vergangenen Jahr mussten wir den ‚Anton aus Tirol‘ spielen, den will nun niemand mehr hören, jetzt ist der ‚Holzmichel‘ angesagt», erklärt Margarete Richter. Diese Geschmackswechsel haben ihren Preis, ungefähr 75 Euro muss ein Drehorgler für eine Rolle mit drei Liedern ausgeben. «Wir leben eben für das Hobby und nicht davon», sagt Gerhard Richter.

Dennoch kann sich das Orgeln lohnen. 4000 Euro konnte Anita Schreiner im vergangenen Jahr an die Lebenshilfe überweisen, alles Geld, das sie und ihr Mann mit Drehorgeln gesammelt hatten. «Die Oberurseler sind sehr spendierfreudig», sagt Anita Schreiner und ergänzt: «Von dem Publikum in anderen Städten unterscheiden sie sich aber vor allem durch ein hohes Interesse. Hier möchten ganz viele wissen, wie die Orgel funktioniert.»

Derartige Fragen beantworten alle Orgeler am Samstag in Oberursel gerne, viele reichen sogar die Kurbel an die Passanten weiter. «Mir gefällt es hier sehr gut, vor allem, weil ich schon selbst Orgel spielen durfte. Das war ganz einfach, ich musste nur drehen», erzählt die elfjährige Milena. Die Musik findet Milena «witzig», und wer weiß, vielleicht begeistert sie sich in einigen Jahren so sehr für die Drehorgel wie Wolfgang Schneider. Er möchte sich jetzt ein eigenes Instrument kaufen, und vielleicht spielt er im nächsten Jahr selbst beim Oberurseler Drehorgelfest.


 VOLKSFEST: Drehorgelfestival in Oberursels Innenstadt      Verfasst am: 28.08.2005, 00:00       Nach oben   


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