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       Verfasst am: 07.08.2006, 21:52       Nach oben   


Printausgabe der TZ vom 09.08.2006
Aus Rosenbeeten werden Goldgruben
Von Karl Heinz Arbogast

In unserer Serie „Im Stadtarchiv aufgestöbert“ gibt eine Prachturkunde Anlass zu einem Lebensbild von Ernst Lüttich.

Oberursel. Der Ehrentitel „Stadtältester“ bildet heute keine Sensation mehr. Wer 20 und mehr Jahre ehrenamtlich in städtischen Gremien mitgewirkt hat, erhält Titel und Urkunde. Angesichts der großen Zahl Ehrenamtlicher in den Rudermannschaften des Stadtschiffes und teilweise ausgeprägter „Sesshaftigkeit“ überschlägt sich die Öffentlichkeit nicht mehr bei so auszuzeichnenden Bürgern. Im Jahre 1910 war das noch ganz anders.

Stadtarchivarin Andrea Bott hütet als historische Kostbarkeit die plakatgroße Ehrenurkunde für Ernst Lüttich, überreicht am 30. Januar 1910 von Bürgermeister Josef Füller. Bott unterstreicht: „Lüttich gehörte bis dahin nicht nur 25 Jahre ehrenamtlich städtischen Gremien an, er war auch der erste Parlamentschef von Oberursel.

Bis 1891 bildete die Stadtregierung einen „collegialischen Gemeinderat“. Durch die neue Städteordnung für den Regierungsbezirk Wiesbaden bekam Oberursel eine zweigliedrige Gemeindevertretung mit dem Magistrat als Exekutive und der Stadtverordnetenversammlung als Legislative. Ernst Lüttich gehörte schon einige Jahre dem Gemeinderat an, als ihn seine Kollegen am 5. Oktober 1891 zum Stadtverordnetenvorsteher wählten. An der Spitze des Parlaments blieb er bis 1905. Andrea Bott: „Zum Beigeordneten und Stellvertreter des Bürgermeisters wurde er 1906 berufen und übte dieses Amt bis zu seinem Tod am 26. April 1917 aus. 25 Jahre lang war er auch Mitglied im Kreisausschuss des Obertaunuskreises.“

Der 1854 in der Nähe von Leipzig geborene Ernst Lüttich kam gegen Ende des Jahres 1878 nach Oberursel und erbaute sich in der Liebfrauenstraße 21 sein Wohnhaus Cortina, hat der Oberurseler Historiker Günter Spahn in einer Studie zur Geschichte Oberurseler Baumschulen festgestellt, die 2002 in den Mitteilungen des Oberurseler Vereins für Geschichte und Heimatkunde veröffentlicht worden ist.

Auch der Oberurseler Chronist Korf hatte bereits 1901 in der Jubiläumsfestschrift des Gewerbevereins die „Obstbaum- & Rosen-Schule von Ernst Lüttich“ als ein Unternehmen von Weltgeltung herausgestellt. Korf: „Das Absatzgebiet der Baumschule Lüttich erstreckt sich nicht allein auf die Provinz Hessen-Nassau und die Nachbargebiete des Großherzogtums Hessen, sondern fast alljährlich gehen Sendungen ins Ausland, namentlich England und Nordamerika.“

Lüttich hatte am 1. September 1880 auf einem von ihm gekauften neun, später elf Hektar großen Ackergelände im Gebiet zwischen der Liebfrauenstraße, Zeppelin- und Nassauer Straße eine Obstbaumschule eröffnet. In Zeitungsanzeigen empfahl er eine große Auswahl an „kräftigen, gut bewurzelten Obsthochstämmen, Zwergobstbäumen in besten Formen sowie Rosenhochstämmen und Rosenbüschen“. Bei Ausstellungen heimste der Fachmann, Mitglied des Bundes deutscher Baumschulbesitzer, viele Goldmedaillen ein.

Korf sah in Lüttich einen sehr cleveren Geschäftsmann und vermutete bereits 1901 vorausschauend, dass dieses Gelände in einigen Jahrzehnten gesuchtes Bauland werde: „Infolge des im letzten Jahrzehnt enorm gestiegenen Bodenwertes und der erhöhten Wirtschaftskosten für Löhne und Gehälter ist auf die Dauer eine angemessene Bodenrente weder mit der Anzucht landwirtschaftlicher, noch gärtnerischer Produkte zu erzielen und der Baumschulbetrieb soll deshalb etwas eingeschränkt und ein Teil des Terrains zu Bauland werden.“ Aus Rosenbeeten wurden so Goldgruben.

Lüttich engagierte sich stark bei seinen Mitbürgern. So wurde er 1890 Mitgründer des neuen Zweigvereins Taunusklub Oberursel und für einige Jahre sein Vorsitzender. 1954 wurde seinem Andenken am Hallenbad die „Ernst-Lüttich-Bank“ gewidmet. An ihn erinnert auch die nach ihm benannte Straße. Die Ernennung zum Stadtältesten beendete seine kommunalpolitische Laufbahn nicht. Bei seinem Tod 1917 war er ununterbrochen 33 Jahre ehrenamtlich für Oberursel tätig gewesen, und im Verwaltungsbericht heißt es: „Zur ständigen Erinnerung an den Verstorbenen errichtete die Stadt eine Ernst-Lüttich-Stiftung in Höhe von 500 Mark, deren Zinsen bei jedem Schulentlassungstermin zur Belohnung der besten Schülerinnen im Lyzeum verwandt werden sollen.“


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