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 ORSCHELER SOMMER´04: JAzz im Museumshof      Verfasst am: 18.08.2004, 12:32       Nach oben   


Printausgabe der TZ vom 17.08.2004
Die Klänge des Oud machen den Museumshof zum swingenden Basar
Von Gerrit Stolte

Oberursel. Ein Jazztrio besteht – so will es zumindest die Tradition – aus einem Pianisten, einem Kontrabassisten und einem Schlagzeuger. Selbst Jazzmuffel erkennen oftmals allein an der Besetzung und ohne eine Note gehört zu haben, dass es sich bei einer Gruppe um Vertreter der synkopierten Musik handelt. Bei Kashu ist das jedoch nicht so.
Kashu, das sind Bassist Michael Bornhak, Samuel Schroth am Klavier und Karim Othman Hassan am Oud, einem vor allem in Nordafrika verbreiteten, mit der Gitarre entfernt verwandten Instrument. Ein Schlagzeug gab es also beim Kashu-Konzert im Museumshof nicht. Und dennoch gelang es den Musikern, einen derart signifikanten und vollen Sound zu generieren, dass selbst mit allen Wassern gewaschenen Jazzenthusiasten das Fehlen des Rhythmusgebers erst nach einigen Minuten bemerkten.
Mehr als 50 Zuschauer hatten sich am Sonntagvormittag im Museumshof versammelt, um dem zweiten und für dieses Jahr letzten Jazzkonzert im Rahmen des Orscheler Sommers zu lauschen. Und sie wurden nicht enttäuscht. Denn zeichnete sich das Konzert von «Beyond The Limit» an gleicher Stelle in der vorigen Woche eher durch biederes Handwerk, denn durch spontane und kreative Kunst aus, bewiesen Kashu, dass sie mehr als nur ihre Instrumente beherrschen. Fast schon klassisch kammermusikalisch die Arrangements bekannter Jazzstandards und die Eigenkompositionen aus den Federn der Musiker. Und dennoch mussten die Zuhörer nicht auf den so charakteristischen Swing – die Seele jeder guten Jazzmusik – verzichten.
Etwa bei «Nardis», einem vom legendären Jazzpianisten Bill Evans komponierten Stück, das dieser in die kongeniale Kooperation mit Miles Davis zu Ende der 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts einbrachte. Hassans Oud verlieh dem Stück eine völlig neue, noch nie gehörte Substanz, ohne den Charakter der Komposition grundlegend zu verändern. Eher hatte man den Eindruck, Evans hätte «Nardis» für dieses selten in der westlichen Musik gehörte Instrument geschrieben. Dabei zeichneten sich Hassan und seine Mitspieler durch ein geradezu zurückhaltendes, ja asketisches Improvisieren aus. Kein aufdringlicher Klangbrei, wie er von Instrumentalvirtuosen allzu oft präsentiert wird. Weniger war hier in der Tat mehr. Das Publikum, das im Laufe des Konzerts immer zahlreicher erschien, dankte es mit entsprechend frenetischem Applaus.
Vielleicht auch, weil Kashu es schafften, die Imagination der Zuhörer zu befruchten. Etwas mit «Breeze» (dt.: Brise), einem Stück mit dem die Musiker tatsächlich die Impression eines leicht durch die Oberurseler Altstadt wehenden Windes zu vermitteln vermochten. Die Augen geschlossen, verwandelte sich der Museumshof, dem Klängen der Oud sei Dank, sogar in einen orientalischen Basar – wenn da nicht anstatt der Gewürze der Duft von Holzkohle die Nasen umschmeichelte. Mit Kashu hat der veranstaltende Verein «Kunstgriff» einen wahren Leckerbissen präsentiert. Schade, dass der Sommer so langsam vorbeigeht.


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